ANNA-LENA TSUTSUI

deutsch english
 

                

Die Kugel | 2013

Videoinstallation | 6 Videos (je im Loop)


Eine aus Beton gegossene Kugel ist in allen sechs Videos Protagonistin. Sie ist ein absurdes Objekt: Sie hat Löcher aus denen Blumen herausragen und zum Licht streben. Diesen Blumen bietet die Kugel Schutz und Lebensraum, gleichzeitig schließt sie sie aber auch ein. In dem Moment, in dem die Kugel losrollt und unkontrollierbar wird, tötet sie die Pflanzen, in dem sie sie brutal niederwalzt. Nun erlangt sie eine Art Eigenleben. Dabei sind alle Orte, an denen die Kugel in Aktion tritt, Orte an denen natürliche Ressourcen abgebaut werden oder im Rohzustand nach ihrer Gewinnung gelagert werden. Die dazu nötigen Strukturen, die möglichst effizient gebaut sind, treten hier in den Vordergrund. Zu den besonders effizienten Baustoffen gehören heute vor allem Metall und Beton. Beton ist ein künstlich hergestelltes Trümmergestein, dass günstig ist, sich in jede Form gießen lässt, schnell fest wird und Lebewesen wie Pflanzen und Pilzen das Wachstum unmöglich macht oder zumindest extrem erschwert.
Aus Beton ist auch die Kugel, die eine Idealform bildet, die für Endlosigkeit und Ganzheit steht, für die Erde, den Kosmos und den Mikrokosmos. Die Kugel oder analog der Kreis sind in dieser Arbeit omnipräsent. Die Präsentation mit sechs Projektionen umrundet den Betrachter visuell und akustisch raumfüllend. Auch der Betrachter muss sich im Kreis drehen, um alle Videos wahrnehmen zu können. Durch die Endlosschleifen der einzelnen Videos bilden auch die Handlungsverläufe eine Kreisbewegung. Ende und Anfang fallen unbemerkt zusammen. Das, was hier in Gang gesetzt wurde, dreht sich immer weiter, kein Stop scheint möglich. Die stampfenden, kratzenden, rauschenden und klickenden Geräusche summieren sich zu einem Rhythmus, der dem einer laufenden Maschine gleicht. Diese zerstörerische Unkontrollierbarkeit und die Ausweglosigkeit, der in Gang gebrachten Aktion bezieht sich auf die Ausweglosigkeit aus, die daraus resultiert natürliche Ressourcen immer effektiver abbauen zu müssen, um größtmöglichen Wohlstand für einen Teil der Bevölkerung zu generieren. In unserem Wirtschaftssystem ist eine Verlangsamung nicht möglich, obwohl wir um die zerstörerische Kraft des Raubbaus an der Natur (zu der wir selbst auch gehören) wissen. Die Absurdität und die Tragik dieser Situation spiegeln sich in dem Objekt der Kugel wieder.